31.10.2015

224 Tote bei Flugzeug-Absturz über Sinai
IS-Terror-Miliz bekennt sich zu "Anschlag"

Flug 7K9268 - Foto: Sergey Korovkim, Lizenz CC-BY-SA
Sharm El-Sheikh (LiZ). Ein Airbus A321 mit 224 Menschen an Bord, Flug 7K9268, stürzte heute über dem Sinai ab. 217 russische TouristInnen und 7 Mitglieder der Crew waren auf dem Rückflug vom ägyptischen Badeort Sharm El-Sheikh nach St. Petersburg. Offenbar gibt es keine Überlebenden. Die im Sinai operierende IS-Terror-Miliz bekannte sich - allerdings wenig glaubwürdig - dazu, das Flugzeug abgeschossen zu haben.

Die Passagiermaschine Flug 7K9268 startete in Sharm El-Sheikh um 4:51 Uhr MEZ (5:51 Ortszeit). Um 5:14 Uhr MEZ (6:14 Ortszeit) kam der obligatorische Funkt-Kontakt mit der Luftverkehrs-Überwachung auf Zypern nicht zustande. Mutmaßliche Informationen über einen Notruf oder eine Funk-Meldung des Flugkapitäns über technische Probleme sind derzeit nicht offiziell bestätigt. VertreterInnen der ägyptischen Behörden und Rettungskräfte erklärten, es gebe "keine Überlebenden". Das Trümmerfeld erstreckt sich offenbar auf einen weiten Umkreis, was darauf schließen läßt, daß das Flugzeug bereits in der Luft auseinander brach. Ein Flugschreiber sei bereits gefunden worden, er soll zusammen mit dem Stimmenrekorder zur Auswertung nach Moskau gebracht werden, hieß es.

Der Internet-Seite www.flightradar24.com ist zu entnehmen, daß der Airbus A321, Flug 7K9268, nach dem Start kontinuierlich und entsprechend den Vorgaben auf eine Flughöhe von rund 9.200 Meter stieg. Merkwürdig ist allerdings, daß das Passagierflugzeug kurz darauf in steilem Anstieg rund 10.200 Meter erreichte. Unmittelbar darauf ereignete sich der Absturz. Verdächtig ist zudem die vorschnelle Mitteilung - ähnlich wie kurz nach dem Absturz von Flug 4U9525 am 24. März über Südfrankreich - der ägyptischen Behörden, ein Terrorakt könne ausgeschlossen werden.

Tatsächlich deutet nichts darauf hin, daß die IS-Terror-Miliz im Sinai über entsprechend weitreichende Flugabwehr-Geschütze (vergleichbar mit einer BUK) verfügt, um ein Flugzeug in über 9.000 Meter Höhe zu erreichen. Stinger Luftabwehr-Raketen und ähnliche "Ein-Mann-Boden-Luft-Raketen" können Ziele effektiv nur bis zu einer Höhe von 4.000 Meter und - bei rapide sinkender Treffer-Wahrscheinlichkeit - bis maximal 10.000 Meter Höhe erreichen. Militär-ExpertInnen gehen davon aus, daß ein Flugzeug in einer Flughöhe von über 4.500 Meter von einer Stinger "ziemlich sicher nicht erreichbar" ist.

Möglicher Weise aber läßt sich der Absturz dadurch erklären, daß die Crew eine auf sie abgefeuerte Rakete (geringer Reichweite) auf dem Bord-Radar wahrnahm und in einer Panik-Reaktion den Steigflug einleitete und überzog. Denn dabei kann es zu einem "Full Stall", einem Strömungsabriß kommen. In einer solchen Situation gerät das Flugzeug außer Kontrolle und ein Absturz ist kaum mehr zu vermeiden. Diese Hypothese paßt zu den von www.flightradar24.com veröffentlichten Daten. Außerdem wurde bekannt, daß die Geschwindigkeit des Flugzeuges innerhalb von einer Sekunde von 740 km/h auf 172 km/h gesunken ist. Dieses hypothetische Szenario einer Panik-Reaktion an Bord wird zudem vor dem Hintergrund der Information plausibel, daß kurz vor dem Absturz eine deutsche Flugwarnung ausgegeben wurde, den nördlichen Sinai nicht in einer Flughöhe von weniger als FL260 (rund 8.000 Meter) zu überfliegen.

Ein anderer möglicher Grund für einen bewußt eingeleiteten Steigflug, wäre ein Brand in dem Airbus A321, der nicht gelöscht werden konnte. Um einen Brand zu ersticken, wäre ein Aufstieg in sauerstoffarme Schichten der Erdatmosphäre sinnvoll. Die Tatsache des Steigflugs von rund 9.200 Meter auf 10.200 Meter läßt die Hypothese einer an Bord explodierten Bombe als wenig plausibel erscheinen. Weitere mögliche Absturz-Ursachen wären ein technischer Defekt, ein Electronic-Warfare-Angriff auf die Bord-Elektronik sowie wetterbedingte Einwirkungen.

Der russische Wetterdienst Rosgidrometa teilte allerdings mit, in der Region hätten keine schwierigen Flugbedingungen geherrscht. "Es gibt etwas Bewölkung, die Sicht beträgt sechs bis acht Kilometer," sagte ein Mitarbeiter.

Den Charterflug der 7K9268 von Sharm El-Sheikh nach St. Petersburg hatte der Moskauer Reiseveranstalter Brisco gebucht. Das Flugzeug mit der Kennung EI-ETJ gehörte der sibirischen Gesellschaft Kogalimawija (kurz: Kolavia) mit Sitz in Tjumen (Sibirien), die auch unter dem Namen Metrojet bekannt ist. Es war gut 18 Jahre alt und gehörte der Gesellschaft seit März 2012. Nach Angaben des Herstellers Airbus hatte es 21.000 Flüge mit insgesamt 56.000 Flugstunden hinter sich. Laut Kolavia ist menschliches Versagen als Grund für den Absturz auszuschließen. Mit 12.000 Flugstunden sei der Pilot sehr erfahren gewesen. Kolavia fliegt hauptsächlich TouristInnen aus Rußland nach Ägypten.

In St. Petersburg versammelten sich verzweifelte Angehörige am Flughafen Pulkowo. Eine junge Frau erklärte, sie habe noch mit ihren Eltern telefoniert, als diese bereits im Flugzeug saßen. PsychologInnen betreuten die Hinterbliebenen am Flughafen von St. Petersburg.

 

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Anmerkungen

Siehe auch unseren Artikel:

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      auf Insel Réunion gefunden? (30.07.15)

      MH370: Ziel des geplanten Anschlags
      war das chinesische AKW Ling Ao (29.05.14)

      MH370: Gefakte Blackbox-Signale kamen
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