6.07.2017

Rüstungs-Atlas Baden-Württemberg
Der Tod ist ein Meister aus dem "Ländle"

Rüstungsfirmen in Baden-Württemberg, Grafik: Samy - Creative-Commons-Lizenz Namensnennung Nicht-Kommerziell 3.0
Tübingen (LiZ). Die Informationsstelle Militarisierung hat den Rüstungs-Atlas Baden-Württemberg 2017 veröffentlicht. Neben Bayern und Schleswig-Holstein gehört das "Ländle" zu den drei Bundesländern mit den meisten Rüstungsfirmen. Beleuchtet wird nicht nur, was in den 120 baden-württembergischen Rüstungsfirmen produziert wird, sondern wo in aller Welt die hier produzierten Waffen und Waffentechnik wieder auftauchen.

Die WissenschaftlerInnen der Informationsstelle Militarisierung (IMI) in Tübingen haben nach fünf Jahren erneut untersucht, wie die 120 baden-württembergischen Rüstungsfirmen an 70 Standorten mit dem Milliardengeschäft der weltweiten Todes-Industrie verflochten sind. Am bekanntesten sind darunter sicherlich Heckler&Koch aus dem schwäbischen Oberndorf und der Produzent von Lenkflugkörpern Diehl mit Sitz in Überlingen am Bodensee. Konzerne wie Daimler haben hingegen genügend Einfluß, um eine Berichterstattung über ihren erheblichen Anteil am Rüstungsgeschäft klein zu halten und dabei ihr ziviles Image zu pflegen.

IMI-Mitarbeiter Andreas Seifert kritisiert, daß die Produktion von Rüstungsgütern "Made in Baden-Württemberg" immer mehr zunehme. Offenbar hat sich hieran auch in den vergangenen sechs Jahren unter dem pseudo-grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann nichts zum Positiven verändert.

"Es ist sehr viel Elektronik-Industrie und Optronik vorhanden, wo Baden-Württemberg wirklich führend ist in ganz Deutschland und wo zum Beispiel sehr viele Navigations-Elemente, Zubehör zu Waffen, Zubehör zu Panzern in großem Umfang konzipiert und produziert werden," erklärt Seifert. Weit über die Hälfte der Exporte gingen in sogenannte Drittstaaten außerhalb der NATO.

"Die Begründung der Bundesregierung ist sehr fadenscheinig. Da heißt es, wir wollen die Peschmerga im Kampf gegen den IS unterstützen. Aber die ersten Waffen wandern jetzt von den Peschmerga an den Islamischen Staat (IS). Die Waffen werden in Kirkuk und auf den Waffenmärkten im Nordirak zum Verkauf angeboten. Und wer kauft? Der Islamische Staat. Der IS schießt und mordet mit baden-württembergischen, mit deutschen Waffen in unglaublicher Zahl," ergänzt Jürgen Grässlin, einer der Bundessprecher der größten deutschen Friedens-Organisation, der Deutschen Friedensgesellschaft / Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG / VK). Die DFG / VK wurde 1892 von der Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner gegründet.

Grässlin weist zudem darauf hin, daß der seit 2015 andauernden Krieges zwischen Saudi-Arabien und dem Jemen beweise, wie sehr Baden-Württemberg von internationalen bewaffneten Konflikten profitiere: "Zum Beispiel wurden kistenweise Sturmgewehre von Heckler&Koch über dem Flughafen in Aden abgeworfen, die jetzt dort im militärischen Einsatz sind. Mit Eurofighter wird gebombt, die Bordkanone kommt aus Oberndorf von der Firma Mauser, heute Rheinmetall. Die Militärelektronik, vor allem Navigationsgeräte kommen aus Freiburg von der Firma Northrop Grumman LITEF."

"Der Tod ist ein Meister aus Baden-Württemberg," sagt Grässlin ohne Umschweife und weist zudem darauf hin, daß auch viele mittelständische Betriebe hierzulande in die Rüstungsproduktion verwickelt sind. Und unermüdlich erinnert Grässlin seit vielen Jahren daran, daß ein großer Teil der Flüchtlinge weltweit nicht in ihrer Heimat bleiben können, weil der "Westen" die Kriege dort aus politischen Interessen entfacht und durch Rüstungs-Exporte am Laufen hält.

www.imi-online.de/2017/07/06/ruestungsatlas-baden-wuerttemberg

 

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