13.08.2017

Morgendämmerung bei Heckler&Koch?
"Kriegswaffen-Export nur noch in
verantwortbare Länder"

Morgendämmerung bei Heckler&Koch? - Grafik: Samy - Creative-Commons-Lizenz Namensnennung Nicht-Kommerziell 3.0
Oberndorf (LiZ). Der neue Vorstand des Oberndorfer Waffenproduzenten Heckler&Koch hat angekündigt, künftig Kriegswaffen nur noch "in verantwortbare »grüne« Länder exportieren" zu wollen. Auf der Aktionärsversammlung am 15. August wollen Friedens-AktivistInnen nachbohren.

Auf der Internet-Seite des schwäbischen Waffenproduzenten Heckler&Koch ist der Termin der Aktionärsversammlung nicht leicht zu finden. Diese wird denn auch nicht-öffentlich im Nebenraum eines Gasthauses in Sulz-Glatt stattfinden. Allerdings muß einigen Friedens-AktivistInnen um den Bestseller-Autoren Jürgen Grässlin Einlaß gewährt werden. Diesen war es nach zeitaufwendigen Recherchen gelungen, einige der gefragten Aktien von Heckler&Koch an der Börse in Paris zu kaufen.

Laut Informationen Grässlins hat Heckler&Koch 21 Millionen Aktien ausgegeben, von denen lediglich 5000 in den freien Handel gelangt seien. 5000 sind gerade einmal 0,024 Prozent aller Aktien. Diese kosten derzeit um die 240 Euro. Innerhalb des vergangenen Jahres schwankte der Kurs allerdings wie wild zwischen 18 Euro und 305 Euro hin und her.

Mit dem Kauf der Aktien ist Grässlin nun de facto Mitbesitzer der Firma Heckler&Koch. Damit ist das Recht verbunden, am Dienstag, 15.08., an der Aktionärsversammlung teilzunehmen und auch Fragen zu stellen. Mehr noch: Entsprechend dem Aktienrecht muß der Vorstand der Firma diese Fragen beantworten.

Und so wollen die Friedens-AktivistInnen unter anderem die Frage an den H&K-Vorstand richten, wie hoch denn ihre Gehälter im Einzelnen sind. Diese Vorstandsgehälter wurden bislang nur summa summarum und nicht individualisiert veröffentlicht. Wenig schmecken dürfte den Vorstands-Mitgliedern von Heckler&Koch auch die bereits vorbereitete Frage, weshalb "die unzähligen Opfer der Jahrzehnte währenden H&K-Rüstungs-Exportpolitik sowie der Lizenzvergaben … in den Geschäftsunterlagen in keiner Weise erwähnt und die Hinterbliebenen wohl noch immer nicht entschädigt" würden. Allein mit dem G3 von Heckler&Koch wurden weltweit mehr als 1,5 Millionen Menschen getötet.

Zentral für die Friedens-AktivistInnen um Jürgen Grässlin ist die Frage, wie Heckler&Koch zukünftig das Versprechen, Kriegswaffen nur noch "in verantwortbare »grüne« Länder" zu exportieren, realisieren will. Bis in die Gegenwart finden nach Recherchen der Friedensbewegung noch Gewehr-Exporte in »rote« Staaten wie Indonesien und Malaysia - trotz schwerer Menschenrechtsverletzungen - weiterhin statt. Demnach liefert H&K auch weiterhin nach Südkorea "trotz der dramatischen Sicherheitslage" - mit der Schutzbehauptung, es seien geltende Vereinbarungen von vor 2016 zu erfüllen.

 

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Anmerkungen

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