30.08.2017

Heckler&Koch bestätigt Kurswechsel
Friedensbewegung feiert Teilerfolg

Morgendämmerung bei Heckler&Koch - Grafik: Samy - Creative-Commons-Lizenz Namensnennung Nicht-Kommerziell 3.0
Oberndorf (LiZ). Am gestrigen Dienstag hatte sich der schwäbische Waffenproduzenten Heckler&Koch nach gut eineinhalb Jahren von seinem Vorstandsvorsitzenden Norbert Scheuch getrennt. Über die Gründe wurde nichts mitgeteilt. Aufsichtsratsvorsitzender Dieter John bestätigte allerdings den neuen Kurs des Unternehmens, zukünftig keine Waffen mehr in Staaten außerhalb von NATO und EU zu exportieren. Stephan Möhrle vom Rüstungsinformationsbüro in Freiburg sprach von einem Teilerfolg der Friedensbewegung.

Wenn sich Heckler&Koch an die selbst auferlegten Export-Beschränkungen hält, übertrifft das Unternehmen damit künftig deutlich die lasche Praxis der Beschränkungen durch die deutsche Bundesregierung. H&K-Aufsichtsratsvorsitzender Dieter John bestätigte gegenüber dem Friedens-AktivistInnen und Bestseller-Autoren Jürgen Grässlin, daß die Abberufung des Vorstandsvorsitzenden Norbert Scheuch keine Auswirkungen auf den beschlossenen neuen Kurs von Heckler&Koch haben werde. Der Beschluß, künftig Kriegswaffen nur noch "in verantwortbare »grüne« Länder zu exportieren", werde sowohl von Aufsichtsrat als auch Vorstand mitgetragen (Siehe hierzu auch Artikel v. 13.08.17).

Demnach sollen – abgesehen von stark kritisierten Alt-Aufträgen in »gelbe« beziehungsweise »rote« Länder wie Malaysia, Indonesien, Südkorea, die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate und den Oman – keinerlei neuen Waffengeschäfte in Staaten außerhalb der NATO und EU abgeschlossen werden. Laut H&K-Vorstand erhalten zukünftig weder bisherige Kunden in Empfängerländern in Afrika, dem Nahen und Mittleren Osten wie Ägypten und Saudi-Arabien noch im NATO-Mitgliedsstaat Türkei weiteren Kleinwaffen (wie Pistolen, Maschinenpistolen, Sturmgewehre bzw. Waffenbestandteile etc.) von H&K.

"Diese restriktivere Rüstungsexportpraxis – deutlich restriktiver als die der Bundesregierung – ist ein immenser Erfolg der Friedensbewegung. Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten auf der Ebene gewaltfreier Aktionen, Publikationen in Büchern und Filmbeiträgen sowie juristischer Schritte bis hin zu Strafanzeigen einen immensen Druck auf Heckler&Koch ausgeübt. Dieser zeigt jetzt Wirkung," erklärte Jürgen Grässlin.

Stephan Möhrle wesit darauf hin, daß weiterhin Waffen von H&K in die USA exportiert werden können. "Die ist angesichts der Lage im Land und der US-Außenpolitik problematisch," so Möhrle. Das Rüstungsinformationsbüro (RIB) werde den Weg der Waffenlieferungen aus Oberndorf weiterhin "sehr genau beobachten". Positiv hebt der Friedens-Aktivist und Rüstungskritiker hervor, daß nach den von H&K verkündeten Richtlinien die "sehr profitable" Dependance des Unternehmens in Saudi-Arabien aufgelöst wurde.

Das 1949 in Oberndorf am Neckar gegründete Unternehmen Heckler&Koch besitzt Niederlassungen oder Zweigstellen in Virginia, Georgia und New Hampshire, im britischen Nottingham und im französischen Saint-Nom-la-Bretèche. H&K ist derzeit der bedeutendste deutsche Hersteller von Handfeuer- und Infanteriewaffen und gehört zu den fünf größten Gewehr- und Pistolenherstellern weltweit.

 

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Anmerkungen

Siehe auch unsere Artikel:

      Morgendämmerung bei Heckler&Koch?
      "Kriegswaffen-Export nur noch
      in verantwortbare Länder" (13.08.17)

      Castenow Communications ausgezeichnet
      "Goldenes G36" verliehen (9.08.17)

      Konstantin Wecker in Büchel
      Konzert am Atombomben-Standort (15.07.17)

      Rüstungs-Atlas Baden-Württemberg
      Der Tod ist ein Meister aus dem "Ländle" (6.07.17)

      Ex-Kriegs-Minister Jung erhält
      Versorgungs-Posten bei Rheinmetall (9.05.17)

      Protest gegen Militär und Atomwaffen
      Beteiligung am Ostermarsch steigt weiter (17.04.17)

      Stuttgart: 2.500 beim Ostermarsch
      "Verantwortung für den Frieden!" (15.04.17)

      "Wer Waffen sät, wird Flüchtlinge ernten"
      Beteiligung am Ostermarsch leicht gestiegen (28.03.16)

      Stuttgart: 1.600 beim Ostermarsch
      "Flucht-Ursache Krieg bekämpfen! -
      Kriegs-Einsätze sofort beenden!" (26.03.16)

      300.000 auf Friedens-Demo in London
      gegen Modernisierung der Atombomben (27.02.16)

      Mahnwachen zum 70. Jahrestag
      des Abwurfs der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki
      (6.08.15)

      3000 auf Ostermarsch in Glasgow
      gegen die britische Atombombe (4.04.15)

      Wachsende Beteiligung beim Ostermarsch
      trotz naßkaltem Wetter (4.04.15)

      Starke Resonanz der Ostermärsche
      Ukraine-Konflikt macht Angst (19.04.14)

      Mehr Menschen beim Ostermarsch
      Protest gegen Atombombe, Drohnen und Waffenexporte
      (30.03.13)

      Zehntausende beim Ostermarsch
      Gegen Krieg und Atomwaffen (9.04.12)

      Ostermarsch in vielen Städten
      Protest gegen Atomenergie und Atombombe (23.04.11)

      50 Jahre Ostermarsch
      Gegen Atomwaffen und für Abzug aus Afghanistan
      (3.04.10)

      "Bewegung am Boden"?
      Die Friedensbewegung nach dem NATO-Gipfel (5.04.09)

      60.000 beim Ostermarsch
      Protest gegen fortgesetzte Kriege
      und gegen Unterdrückung in Tibet (24.03.08)

      Baden-württembergischer Ostermarsch in Stuttgart
      "Vernunft muß her statt Militär!" (23.03.08)

      Demonstration gegen Bombodrom am Neujahrstag
      Bundeswehr will Bombenabwurf üben (1.01.08)

      Ostermärsche setzen Zeichen gegen Tornado-Einsatz
      (8.04.07)

      Zehnausende bei Ostermärschen der Friedensbewegung
      (16.04.06)